Wallstein – von der Geschichte zur Gegenwart

Překlad / Übersetzung: Jana Pražáková, 2026

Die Entstehung von Wallstein lässt sich auf den Beginn des 17. Jahrhunderts datieren. Im Jahr 1618 wurde es erstmals urkundlich erwähnt, als Johann Christoph von Waldstein die dortige Erbrichtigkeit seinem Untertan Leonard Hanke zu Heinzendorf schenkte. Verlorenwasser (Ztracená Voda) wird seit 1645 erwähnt; die Gründung von Klein Wallstein (Malý Valštejn) lässt sich auf das Ende des 17. Jahrhunderts datieren. Unter Berufung auf die vom Rektor des Neisser Jesuitenkollegs ausgestellte Gründungsurkunde kann das Jahr 1692 als Gründungsjahr von Klein Wallstein angesehen werden. Bis zum Jahr 1785 gehörte die Gemeinde zur Pfarrei Heinzendorf, anschließend wurde für sie und Verlorenwasser eine eigene Kuratel eingerichtet. Im Jahr 1850 wurde Wallstein zu einer eigenständigen Gemeinde, und seit 1872 wird der offizielle Name Groß Wallstein mit den Ortschaften Groß und Klein Wallstein sowie Verlorenwasser verwendet. Seit 1979 ist der Ort ein Ortsteil von Olbersdorf (Město Albrechtice). 

Ortszentrum auf einer historischen Postkarte aus dem Jahr 1928

Wallstein war im Laufe seiner Geschichte eine mittelgroße, ausschließlich deutsche landwirtschaftlich geprägte Berggemeinde. Im Jahr 1850 lebten hier 1070 Einwohner, im Jahr 1900 nur noch 657 und im Jahr 1930 lediglich 509 Personen. Die überwiegende Mehrheit der Einwohner bekannte sich zum katholischen Glauben. Auf dem nicht besonders fruchtbaren und schwer zu bewirtschaftenden Boden wurden Hafer, Roggen, Gerste und vor allem Kartoffeln angebaut. Das Entsteinen der Felder und Wiesen, das sich über mehrere Jahrhunderte hinzog, führte zur Entstehung eines für das hiesige Tal typischen Landschaftselements – der Steinreihen, die die einzelnen Grundstücke voneinander trennen. Im Jahr 1900 waren hier insgesamt 23 Pferde, 569 Rinder und 131 Schweine registriert.

Die Berufe und Handwerksberufe waren vielfältig. Man fand hier Radmacher, Förster, Kaufleute, Bankangestellte, Müller, Gastwirte, Schuhmacher, Arbeiter, Eisenbahner, Maler, Tischler, Zimmerleute, Schmiede, Metzger, Maurer, Schneider, Imker, Tuchmacher, Fuhrleute oder Postboten. Natürlich waren fast alle der Genannten auch Landwirte.

Die öffentlichen Gemeindeangelegenheiten wurden von einem Gemeindevorstand unter der Leitung des Bürgermeisters geregelt. Wallstein war eine Postzustellstelle der Poststelle Heinzendorf, mit der es über eine Telegrafen- und Telefonstation verbunden war. In der Gemeinde waren die Feuerwehr,  „Landwirtschaftliches Casino für Wallstein“, der „Schulhellerverein“ und der„Deutsche Kulturverein aktiv. Auch die Raiffeisenkasse hatte hier eine Zweigstelle. Die stärkste politische Organisation in den 1920er Jahren war der Bund der Landwirte, in den 1930er Jahren dann eindeutig die Sudetendeutsche Partei. In der Zeit seiner größten Blüte gab es im Ort eine Kirche mit Friedhof und Pfarrhaus, eine Schule, ein Armenhaus, sechs Gaststätten, drei Kapellen, zwei Geschäfte, eine Mühle und einen Teich, eine Gerberei und eine Bleicherei sowie drei Feuerwachen. Nach dem Münchner Abkommen gehörte Wallstein als Teil des Reichskreises Sudetenland zum Deutschen Reich. Nach der Befreiung durch die Rote Armee am 6. Mai 1945 kam es zur Vertreibung der deutschen Bevölkerung.

Blick auf die wallsteiner Tale heute

Die Besiedlung der Gemeinde verlief nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nur langsam. Der steinige und wenig fruchtbare Bergboden spielte dabei eine Rolle, sodass hier im Jahr 1950 offiziell nur 44 Einwohner lebten. Zu den ersten Zuwanderern gehörten neben Tschechen auch Slowaken und bulgarische Arbeiter;  und später Griechen nieder. Die Eigenständigkeit der Gemeinde wurde 1951 aufgehoben. Das landwirtschaftliche Gepräge blieb auch in den folgenden Jahren erhalten, wobei die Wiesen als Weideland dienten. Positiv zu vermerken war die Einführung der Stromversorgung in der Gemeinde. Viele der ursprünglichen Gebäude, insbesondere in Verlorenwasser und in Klein Wasser, fielen der gezielten Abrissaktion zum Opfer. Als größte Verluste sind der Abriss der Kirche des hl. Franz Xaver einschließlich des Friedhofs im Jahr 1984 der Touristenhütte Heinrichshöhe zu bezeichnen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Wallstein nach und nach von  Ferien- und Wochenendhausbesitzer besiedelt.

Unteres Teil des Ortes und Blick auf Heinzendorf

Weites Tal von Verlorenwasser

Über der Gemeinde erheben sich drei Bergrücken, die zu den Ausläufern des Altvatergebirges gehören, dessen westlicher Kamm an der Heinrichshöhe 797 m ü. M.M. erreicht. Durch das westliche Tal fließt der Wallsteiner Bach, der am Salzberg entspringt und in Heinzendorf in die Goldoppa mündet. Laut der Volkszählung von 2001 lebten in Wallstein 37 dauerhaft gemeldete Einwohner.

Das heute nicht mehr existierende Klein Wallstein

Wallstein in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts